An den Unterschieden in der Geldpolitik wird die Erholung nicht scheitern (Archiv )

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Die lang erwartete Normalisierung der Geldpolitik der US-Notenbank und Bank of England könnte

2015 Wirklichkeit werden. Nach Einschätzung von Richard Hoey, Chief Economist bei BNY Mellon, und Jack Malvey, Chief Global Markets Strategist, sind die künftig getrennten Wege der Zentralbanken in den Industriestaaten aber nur einer von mehreren Faktoren, die 2015 auf die Weltwirtschaft und die Finanzmärkte einwirken.

In den letzten drei Jahren ist die Weltwirtschaft nur langsam gewachsen. Im Durchschnitt waren es fast 3%, aber hinter diesem Wert verbergen sich sehr uneinheitliche Entwicklungen, denn z.B. der Euroraum schnitt weniger gut ab als andere Regionen.  Auch 2015 geht es wohl uneinheitlich weiter, aber BNY Mellons Chefvolkswirt Richard Hoey rechnet mit etwas stärkerem Wachstum: die US- und die Weltwirtschaft sollten stärker anziehen und die Zentralbanken in den USA und Großbritannien die Geldpolitik normalisieren. „Bislang hat die expansive Geldpolitik in diesem Wachstumszyklus unter anderem wegen der negativen Effekte der restriktiven Fiskalpolitik, dem Schuldenabbau im Privatsektor und der restriktiven Regulierung im Finanzsektor nur eine geringe Ankurbelungswirkung entfaltet“, erläutert er. „Mittlerweile aber haben die meisten entwickelten Länder massive Sparprogramme hinter sich, wodurch in den nächsten Jahren aus dieser Richtung weniger Belastung droht. In Europa und China bleiben die Schulden hoch, aber die US-Haushalte haben ihre Schulden deutlich verringert.“ Hoey geht davon aus, dass das US-BIP real um ca. 3% und einschließlich der Inflation um etwa 5% zulegt.

 

Geprägt wird die Weltwirtschaft im Jahr 2015 nach Einschätzung von Hoey und vielen anderen Kapitalmarktexperten von den unterschiedlichen geldpolitischen Zentralbankstrategien in der entwickelten Welt, wo die Europäische Zentralbank (EZB) und die Bank von Japan (BoJ) weiterhin Lockerung betreiben, während die US-Notenbank (Fed) und die Bank von England (BoE) die Zinsen durch eine mögliche Straffung der Politik sukzessive normalisieren könnten. 

Allerdings wirken neben der geldpolitischen Normalisierung vermutlich auch andere Faktoren auf die Finanzmärkte. Die Aktienmärkte werden nach Einschätzung von Jack Malvey, Chief Global Markets Strategist,  nur relativ wenig von der divergierenden Geldpolitik beeinträchtigt. "Das Zentralbankthema wurde von den Kapitalmarktanalysten und den Medien überbewertet. Schließlich haben in der Vergangenheit immer einige Banken die Zinsen erhöht, während andere sie senkten. Für die Kapitalmärkte spielen viele Faktoren eine Rolle“, erklärt Malvey. 

Dazu gehören auf der Aktienseite im Jahr 2015 vor allem die Unternehmensgewinne, die nach Ansicht von Malvey um 6 bis 8% steigen sollten. Begünstigt durch die Aktivitäten von Hedgefonds einerseits und strategisch agierenden Unternehmen andererseits sollten auch die M&A-Aktivitäten die Aktienbewertungen nach oben treiben. „Die Finanzierungskosten sind und bleiben vermutlich niedrig. Viel günstiger können die Zeiten für Übernahmen also gar nicht mehr werden, denn sowohl Eigenkapital- als auch Fremdkapitalfinanzierungen sind verfügbar und relativ günstig“, erläutert er. 

Vorteilhaft für die Aktienmärkte sind 2015 unter Umständen auch die eher begrenzten Chancen in anderen Anlageklassen. „Zehnjährige Staatsanleihen sind mit Nachsteuerrenditen von 2,10 oder 2,50% unattraktiv“, erläutert Malvey. „Kommunalanleihen bieten effektive Renditen von 2 oder 3% und sind im Vergleich mit guten, soliden Unternehmen, die Dividenden zahlen, ebenfalls uninteressant.“ Trotz der vielen günstigen Faktoren rechnet Malvey künftig mit volatileren Märkten als in den letzten drei Jahren. „In der Mitte des Konjunkturzyklus steigt in der Regel die Nervosität an den Märkten, und genau das war im Oktober 2014 während der Volatilitätsspitzen zu beobachten“, meint er. Selbstverständlich ist für Malvey auch, dass sich die Aktienmärkte in den unterschiedlichen Regionen der Welt uneinheitlich entwickeln, wobei einige Schwellenländer künftig zu den Gewinnern zählen dürften, während der Euroraum vermutlich zurückbleibt. 

Stärker sind die Auswirkungen der Zentralbankpolitik an den Anleihenmärkten zu spüren. „Die Straffungstendenzen einiger Zentralbanken und die Nachfrage einiger Anleger nach hochwertigen Papieren selbst bei noch niedrigeren Kupons spielt 2015 im Anleihensegment eine wesentliche Rolle“, so Malvey. „Bis Ende 2015 könnten sich zehnjährige Staatsanleihen in einer Größenordnung von 2,50-3,25% bewegen. Wir gehen mit ziemlicher Sicherheit davon aus, dass die Leitzinsen Ende 2015 höher liegen als Anfang 2014. Je nachdem, wie stark die US-Wirtschaft tatsächlich ist, hört die Fed in den nächsten 2 bis 3 Jahren irgendwo bei 2 oder 3% auf.“ Hoey erwartet auch, dass die Zinsnormalisierung in den Industriestaaten über mehrere Jahre hinweg und allmählich erfolgt, um das nachhaltige Wirtschaftswachstum nicht zu gefährden.  

Die Geschwindigkeit, mit der die Zinsen steigen, beruht zum Teil auf den Inflationserwartungen. Anfang 2015 liegt die Kerninflation in der Weltwirtschaft nach Ansicht von Hoey unter den Zielwerten aller G4-Zentralbanken. „In den USA und Großbritannien sollte die Kerninflation dann in den nächsten Jahren auf oder über die Zielwerte steigen, während sie in Europa und Japan zwar anzieht, die Zielwerte aber nicht erreicht.“  

Auch die Devisenkurse werden von dem geldpolitischen Kurswechsel beeinflusst. Hoey und Malvey rechnen beide damit, dass der US-Dollar im nächsten Jahr anzieht. „Die divergierende Geldpolitik ist vermutlich eine wesentliche Triebfeder für die Dollar-Aufwertung. Sie wird begleitet von steigenden Zinsdifferenzen zwischen den USA und Großbritannien einerseits, wo die Zinsen anziehen, und dem Euroraum und Japan andererseits, deren Zentralbanken ihre Bilanzen stärker verlängern als die Fed und die BoE“, erklärt Hoey. „Die schwachen Währungen in Ländern mit schwachem Wachstum und die starken Währungen in Ländern mit starkem Wachstum sollten dazu beitragen, dass sich ein neues Gleichgewicht in der Weltwirtschaft und bei der Inflation etabliert. Der US-Dollar sollte auch von der weiter steigenden US-Energieproduktion profitieren. Diese Faktoren erklären zumindest teilweise, warum der Außenwert des US-Dollar 2014 zugelegt hat, und sie sollten 2015 zu einem weiteren Anstieg beitragen.“ 

Im Übrigen dürften die Gewinne von multinationalen US-Unternehmen etwas unter dem stärkeren US-Dollar leiden. „Ein stärkerer Dollar verlangsamt auch das US-Exportwachstum und stimuliert hoffentlich im gleichen Zuge die europäischen Wirtschaften“, fügt Malvey hinzu. „Japan wird derweil weiter am Devisenmarkt intervenieren, um Exporte zu fördern.“ 

Noch schwieriger einzuschätzen ist nach Ansicht von Malvey, welche geopolitischen Risiken die Märkte in 2015 beeinflussen könnten. „Anfang 2014 hatte niemand von uns mit dem Aufstieg des Islamischen Staates (IS), dem Konflikt zwischen Russland und der Ukraine oder der Ebola-Epidemie gerechnet, aber sie alle haben die Märkte dieses Jahr beeinflusst.“

Dies stellt keine Anlageberatung dar. Aufsichtsrechtliche Hinweise

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