Erfolge der Geldpolitik - trügerische Sicherheit? (Archiv )

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Die Maßnahmen, die nach der Finanzkrise das Wachstum ankurbeln sollten, sind womöglich eher Fluch als Segen. Wir fürchten, dass die Anfälligkeit gegenüber unerwarteten Ereignissen sogar noch steigt, wenn die kurzfristigen „Vorteile“ der niedrigeren Finanzierungskosten aufgebraucht sind.

Auch wenn die Wachstumsförderungsmaßnahmen sicher mit den besten Absichten in Angriff genommen wurden, könnten sie unsere Wirtschaften instabiler und schockanfälliger machen. Das sind keineswegs leere Worte: tatsächlich machen wir um jene Bereiche, die unserer Ansicht nach besonders stark von Stützungsmaßnahmen abhängen, am liebsten einen großen Bogen.

Die im Rahmen der Konjunkturhilfen in die Wirtschaft gepumpte Liquidität schafft die falschen Anreize und einen Ressourcentransfer zwischen unterschiedlichen Teilen der Wirtschaft.  Die immer höheren finanziellen Anreize, künftige Aktivitäten in die Gegenwart vorzuverlagern, mögen zwar kurzfristig zu höherer Wirtschaftsaktivität führen, ziehen aber auch künftige Nachfrage vor und können auf diese Weise deflationäre Tendenzen fördern.

„Zombie“-Unternehmen werden mithilfe günstiger Finanzierungen künstlich am Leben gehalten. Schlimmer noch, es werden womöglich neue Kapazitäten aufgebaut, die unter anderen Umständen mangels Rentabilität niemals das Licht der Welt erblickt hätten.  In der Luftfahrtbranche ist so z.B. wieder der Preiskampf aufgeflammt, weil die leichte Verfügbarkeit von Fremdkapital die Akteure zu einem schnellen Flottenausbau verlockte.

Herausforderungen

Unkonventionelle politische Maßnahmen haben tendenziell auch problematische soziale Trends verschärft. Die bewusst betriebene Inflation der Vermögenspreise hat eine Schere zwischen Wohlstand und Einkommen geöffnet.  Wer über Ersparnisse verfügt, wird Kapital tendenziell nicht zinsfrei auf Sparkonten vorhalten sondern für (wirtschaftlich unproduktive) Finanzspekulation einsetzen.

Dadurch entstehen Verzerrungen, die sich je nach Kulturraum in unterschiedlichem Maße manifestieren. Entscheidend sind dabei etwa Faktoren wie die Struktur der Wirtschaft und die Frage, wer die meisten Vorteile aus dem neuen Geld zieht (oder am schnellsten die Hand darauf legen kann). Wird Wirtschaften wie Großbritannien und den USA günstiges Geld zur Verfügung gestellt, steigt mit großer Wahrscheinlichkeit die Kreditmenge, die den Konsum oder Investitionen in unproduktive Anlagegüter und besonders Immobilien anheizt. Der kulturelle Hintergrund macht das in Ländern wie z.B. Deutschland oder Frankreich unwahrscheinlicher.

China

In China hat das günstige Geld zu einer gigantischen (und vielleicht der mit Abstand größten) Ausweitung des Kreditvolumens geführt. Diese Mittel wurden in Produktionskapazitäten und Infrastruktur investiert. Wenn große Teile des Westens weiter zu viel auf Pump konsumieren und in den Schwellenländern gleichzeitig kreditfinanzierte Überkapazitäten bestehen, steigt die Deflationsgefahr.

Hohe Bewertungen riskanter Vermögenswerte wie z.B. Aktien und Hochzinsanleihen müssen durch höheres Wachstum und höhere Gewinnerwartungen gerechtfertigt sein. Genau das Gegenteil war in letzter Zeit der Fall: langfristige Wachstumsprognosen wie z.B. des IWF sind weiter gefallen. Es ist allenthalben zu hören, dass die Wirtschaft schon bald ausreichend Fahrt aufgenommen haben wird, um die Rezession endgültig hinter sich zu lassen, bzw. dass sich das Wachstum wieder stark beschleunigt. Die kurzfristigen Daten bleiben aber durchwegs kraftlos.

 Chancen 

Es besteht ganz offensichtlich eine Diskrepanz zwischen dem Vertrauen der Anleger in den Erfolg der Politik und dem Glauben, dass die Verantwortlichen weiter alles tun werden, um mögliche Risiken für die Marktteilnehmer abzuwenden. Das kann nur eines bedeuten: höhere Volatilität. Das heißt nicht, dass der Markt unserer Ansicht nach keine Anlagechancen bietet. Wahrscheinlich aber müssen potentielle Anlagekandidaten noch stärker als bisher selektiert werden.

Die nominalen Wachstumsraten, bei denen sich die Volkswirtschaften einpendeln, sorgen vermutlich auch künftig für Enttäuschung. Attraktiv bleibt in diesem Umfeld wohl der Gesundheitssektor in den Industrie- und in den Schwellenländern, denn die Gesundheitsausgaben steigen weiter. Auf diesen Trend setzen wir mit unseren Anlagethemen „Healthy Demand“ und „Population Dynamics“. (Newton identifiziert globale Anlagethemen, die unseres Erachtens erkennbaren Wandel maßgeblich beeinflussen und langfristige Auswirkungen auf die Weltwirtschaft haben.)

Auch die Unternehmen, die von Technologieausgaben profitieren, sind vermutlich relativ gut gegen die zyklische Volatilität der Wirtschaft gefeit. Die Gewinner in diesem Segment sollten davon profitieren, dass Unternehmen auf die Technologien umrüsten, die die Konsumenten schon lange nutzen. Die Verbraucher der Schwellenländer wiederum lassen voraussichtlich einen Entwicklungsschritt aus und katapultieren sich mithilfe zunehmend erschwinglicher mobiler Geräte direkt in die E-Commerce-Welt.

Andere Unternehmen, die wie etwa Bergbauunternehmen und lokale Banken bisher von der Entwicklung der chinesischen Infrastruktur profitiert haben, wirken auf den ersten Blick attraktiv bewertet. Dieser Eindruck trügt aber vermutlich, denn im Gegenzug gilt es, auch die strukturellen Probleme durch den langen Investmentboom und die hieraus resultierenden hohen Schulden zu berücksichtigen.

Eine unkorrelierte Ertragsquelle sind unter Umständen Engagements im Infrastruktursektor über entsprechende Drittfonds. Diese Investments können hohe Einkommensströme aus in öffentlich-privater Partnerschaft entwickelten Projekten generieren, in die diese Fonds typischerweise investieren.

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Dies stellt keine Anlageberatung dar. Aufsichtsrechtliche Hinweise

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