Ein Ansatz, um hier und jetzt mit Kohlendioxidausstoß fertig zu werden (Archivé)

Innerhalb der Investmentbranche hat die aktuelle Kampagne zum Rückzug aus dem Segment fossile Brennstoffe den Themenkomplex Klimawandel, den man für einen steigenden Meeresspiegel ebenso verantwortlich macht wie für extreme Wetterphänomene, ins Zentrum der Aufmerksamkeit gerückt. Diese Kampagne basiert im Wesentlichen auf der Argumentation, dass ein Großteil der Kohlenstoffreserven schlicht „nicht verbrennbar“ ist und unter der Erde verbleiben muss, so dass man diese Reserven als „unerreichbar“ und letztlich auch als überbewertet bezeichnen muss. Dies ist das ökonomische Hauptargument für einen Abzug von Anlagegeldern aus dem Sektor fossile Brennstoffe.

Addressing Carbon Emissions

Falls man die globale Erwärmung aber nicht in den Griff bekommt, wird die Durchschnittstemperatur auf der Erde im Vergleich zur vorindustriellen Zeit den Prognosen zufolge um mindestens 2 Grad Celsius (2°C) ansteigen. Im Jahr 2010 verständigten sich Regierungen aus der ganzen Welt darauf, die globale Erwärmung gegenüber dem vorindustriellen Niveau bei unter 2°C zu halten, um so einen gefährlichen Klimawandel abzuwenden. Um innerhalb dieses 2°C-Korridors zu bleiben, darf aber lediglich ein kleiner Teil der Kohlenstoffreserven verbrannt werden.

Allerdings sind die Temperaturen laut einer Studie der NASA und der NOAA2 im Jahr 2014 weltweit um 0,68°C über den langfristigen Durchschnitt hinaus angestiegen. Damit war dieses Jahr das wärmste seit Beginn der entsprechenden Aufzeichnungen1.  Die „Treibhausgase“, die heute ausgestoßen werden, verbleiben jedoch über Jahrzehnte hinweg in der Atmosphäre, so dass eine Verringerung der CO2-Emissionen dringend erforderlich ist. Fast jedes Unternehmen stößt aber in gewissem Maße Treibhausgase aus und trägt damit auch zur globalen Erwärmung bei. Als Anleger haben wir allerdings immer die Wahl, wie viel Kapital wir in welche Firmen investieren. Diese Entscheidung kann auch ökologische Auswirkungen haben, wenn wir auf solche Unternehmen setzen, die die Welt ein bisschen grüner machen möchten.

Unmittelbare Auswirkungen

Obwohl das Argument der „unerreichbaren Vermögenswerte“ ein wirklich schlagkräftiges ist und eine Reihe prominenter Befürworter hat, basiert es unserer Einschätzung nach aber auch auf Annahmen hinsichtlich des Energieangebots sowie der entsprechenden Nachfrage, die von einer Vielzahl komplexer Faktoren beeinflusst werden. Dazu zählen beispielsweise das aufsichtsrechtliche Umfeld und Innovationen. Auf kurze Sicht hätte eine grundlegende Abkehr von fossilen Brennstoffen sowie von den Technologien, die damit angetrieben werden, beträchtliche wirtschaftliche Auswirkungen, weil die Weltwirtschaft ja in so hohem Maße von Energie abhängig ist. Zwar haben einige Staaten bereits Maßnahmen ergriffen, um die Nutzung alternativer Energiequellen zu fördern, aber bisher gibt es noch keine wirklich verlässliche Infrastruktur, um den Energiebedarf auf globaler Ebene auf alternative Art und Weise zu decken.

Dies scheint nahezulegen, dass ein wirklich grundlegender Wandel bei der Energieproduktion sowie bei der Nutzung wohl eher schrittweise vonstatten gehen würde. Deshalb bedarf es eigentlich eines Instruments, um mehr unmittelbaren Einfluss auszuüben. Bis dahin konzentrieren wir uns also besser auf den CO2-Ausstoß, durch den die Temperaturen ansteigen, die Luft verschmutzt wird und empfindliche Ökosysteme zerstört werden.

Nachlassender Einfluss

Von irgendwelchen performancespezifischen Überlegungen einmal ganz abgesehen verspielen jene Investoren, die sich aus Unternehmen aus dem Sektor fossile Brennstoffe zurückziehen, aber auch jede Chance, Einfluss auf eben diese Firmen auszuüben. Gleichzeitig besteht die Gefahr, dass andere Anleger an ihre Stelle treten (und damit auch ihre Einflussmöglichkeiten im Zusammenhang mit Fragen des Klimawandels „übernehmen“), die sich um solche Themen schlicht weniger Gedanken machen. Neben Kohle, deren Kohlenstoffgehalt pro Energieeinheit am höchsten ist und für die es bei der Stromerzeugung bereits viele vernünftige Alternativen gibt, könnten die Segmente Öl und Gas unserer Meinung nach von Innovationen und technologischem Fortschritt bei der Energieproduktion profitieren.

Stattdessen sollte man sich in Unternehmen engagieren, die fossile Brennstoffe fördern und verwenden, um diese zu ermutigen, eine umweltfreundlichere Unternehmensstrategie umzusetzen, um ihren CO2-Ausstoß zu verringern und ihren ökologischen Fußabdruck zu verbessern. Dabei sind Energiekonzerne natürlich immer ein sehr dankbares Ziel, obwohl viele Firmen aus anderen Sektoren – allen voran den Branchen Versorger, Rohstoffe und Industrie – ebenfalls Gewinne erzielen und der globalen Erwärmung dabei kaum (oder sogar überhaupt keine) Beachtung schenken. Der Kampf gegen die globale Erwärmung ist eine langwierige Angelegenheit, die von einer kurzfristigen Senkung der CO2-Emissionen bei allen Unternehmen – von Industriekonzernen über Versorger – bis hin zum Aufbau einer umweltfreundlicheren, globalen Energieinfrastruktur reicht. Aus diesem Grund halten wir ein solches Divestment (das heißt eine Abkehr von einer möglichen Einflussnahme) für eine vertane Chance, und sehen ein zielgerichtetes Engagement als die bessere Strategie an.

Durch die Ermittlung des sogenannten „CO2-Intensitätsfaktors“ eines Unternehmens lässt sich feststellen, bei welchen Firmen innerhalb einer Branche das Bewusstsein für den Klimawandel am ausgeprägtesten ist und welche Unternehmen diesem Aspekt eher weniger Beachtung schenken. Unser CO2-Intensitätsfaktor basiert auf den Kohlendioxyd-Emissionen einer Firma sowie unserem hauseigenen „Carbon Readiness Score“2. Vergleichsweise umweltbewusste Unternehmen können von einem Wettbewerbsvorteil profitieren und deshalb innerhalb der Branchenallokation eines Portfolios übergewichtet werden. Im Gegensatz dazu könnten sich Firmen, deren CO2-Intensität im Vergleich zum übrigen Sektor relativ hoch ist, als ineffizient erweisen und aus diesem Grund untergewichtet werden.

Wenn Anleger die CO2-Intensität ihrer Portfolios ermitteln, werden viele Investoren vermutlich zu der Auffassung gelangen, dass diese Ausrichtungen in erster Linie auf die Allokationen der entsprechenden Referenzindizes zurückzuführen sind. Da indexorientierte Investments per Definition aber breit diversifiziert sind, werden dabei natürlich auch Unternehmen berücksichtigt, die in großem Stil Treibhausgase ausstoßen. Solche Anleger müssen sich nicht die Frage stellen oder überprüfen, ob ein wirklich aktiver Investmentansatz mit einem Fokus auf Firmen mit geringer CO2-Intensität dem Wert ihres Portfolios tatsächlich zugute kommt oder ihn belastet. Vielmehr bildet ein Verständnis für den Faktor CO2-Intensität die Grundlage für sogenannte „Green Beta“-Investments. Um sowohl die ökologischen als auch die treuhänderischen Anforderungen einer „Green Beta“-Strategie zu erfüllen, eignet sich ein Mittelweg zwischen einer Berücksichtigung der CO2-Intensität einerseits sowie dem Aufbau einer breit diversifizierten Beta-Ausrichtung andererseits.

Vom Bewusstwerden bis zur Realisierung einer entsprechenden Strategie ist es aber ein langer Weg, und Anleger sind oftmals unsicher, wie man eine CO2-effiziente Anlagestrategie umsetzt, ohne die treuhänderischen Verpflichtungen dabei zu vernachlässigen. Dieser Weg beginnt, wenn Investoren erstmals von der Kampagne zum Rückzug aus dem Sektor fossile Brennstoffe hören, und endet, wenn sie sich dazu entschließen, ihre Einflussmöglichkeiten zur Eindämmung der globalen Erwärmung auch zu nutzen. Damit stehen sie im Gegensatz zu einigen früheren Anlegergenerationen, die lediglich bereit waren, zugunsten sozialer oder ökologischer Ziele auf einen Teil ihrer Erträge zu verzichten und/oder eine beträchtliche Abweichung vom breiten Markt in Kauf zu nehmen.

Der Kampf gegen die globale Erwärmung wird so bald wohl nicht zu Ende sein, und schon die ersten Schritte erfordern eine Menge Überlegung und Planung. Dies gilt insbesondere mit Blick auf die treuhänderischen Verpflichtungen. Bei der Bewertung eines Ansatzes, der eine Antwort geben soll auf die Probleme, die fossile Brennstoffe und deren Auswirkungen auf die globale Erwärmung mit sich bringen, müssen die Anleger sowohl ihre treuhänderische Verantwortung als auch ihren Wunsch, in Unternehmen mit einer geringen CO2-Intensität zu investieren, in Einklang bringen. Unserer Meinung nach ist es aber möglich, die CO2-Intensität eines Portfolios deutlich zu reduzieren, indem man die größten „Dreckschleudern“ abstraft, während man die innovativsten Firmen gleichzeitig belohnt. Indem Investoren Unternehmen dazu ermutigen, ihren CO2-Ausstoß zu verringern, können sie die globale Erwärmung also beeinflussen, ohne ihre treuhänderischen Verpflichtungen zu vernachlässigen.

1. National Aeronautics and Space Administration Goddard Institute for Space Studies GISS Surface Temperature Analysis (GISTEMPP) und National Oceanic and Atmospheric Administration, 16. Januar 2015
2.Der „Carbon Readiness Score“ von MCM misst das Ausmaß, in dem Unternehmen das Risiko von CO2-Emissionen im Vergleich zu anderen Firmen aus der jeweiligen Branche im Rahmen ihres Geschäftsmodells steuern. Eine hohe Punktzahl spricht dafür, dass das entsprechende Unternehmen das Risiko von CO2-Emissionen positiv beeinflusst, und bildet somit die Grundlage für eine Übergewichtung in dieser Firma.

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