Externe Kräfte (Archivé)

Britische Unternehmen scheinen mit Blick auf das Jahr 2016 für externe Einflüsse anfällig zu sein. Dabei werden die Ereignisse in China, den USA und Europa wahrscheinlich eine maßgebliche Rolle spielen. Im Folgenden geht das Newton-Team für britische Aktien auf die Auswirkungen der chinesischen Rohstoffnachfrage auf britische Mega Caps ein. Darüber hinaus erläutert Gesundheitsanalyst Stephen Rowntree, welche Hürden britische Pharmakonzerne in den USA überwinden müssen. Außerdem beschäftigt sich Newton-Stratege Peter Hensman mit den potenziellen Folgen des anstehenden Referendums über einen möglichen EU-Austritt auf den Handel.

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Die Aussichten britischer Mega Caps für das kommende Jahr sind zwar uneinheitlich, aber einer der Aspekte, der sie alle verbindet, ist ihre Anfälligkeit für Einflüsse von außen. Multinational agierende Unternehmen werden schon definitionsgemäß durch globale Einflussfaktoren bestimmt. Nach Einschätzung des Newton-Teams für britische Aktien reagieren von den 20 größten Titeln im FTSE 100-Index vier sensitiv auf die Tendenz der Rohstoffpreise, drei werden durch die Zinsentwicklung beeinflusst, und zwei werden durch Preis- und Innovationstrends an den Gesundheitsmärkten weltweit bestimmt. „Wenn man es verallgemeinern möchte, könnte man sagen, die Aussichten seien uneinheitlich. Zwar sind alle diese Unternehmen auf ihre individuelle Weise erfolgreich, doch viele von ihnen haben mit ungünstigen strukturellen oder aufsichtsrechtlichen Problemen zu kämpfen.“

Für Newton besteht die größte Herausforderung eindeutig in der Entwicklung der Rohstoffpreise, denn dadurch werden Konzerne wie BP, Shell, BG und Rio Tinto beeinträchtigt. Dies ist nach Einschätzung des Teams darauf zurückzuführen, dass die Leitungsgremien dieser Unternehmen keine Kontrolle über die Verkaufspreise haben. Gleichzeitig müssen sie aber ein Budget kalkulieren und ihre Investitionsausgaben planen – ohne dabei zu wissen, wie sich die Preise bis zur endgültigen Umsetzung der entsprechenden Projekte entwickeln werden.

Ganz grundsätzlich sieht Newton für Großbritannien auch weiterhin eine Reihe von Risiken. Dazu zählt eine potenzielle Immobilienblase in China sowie in den meisten Industriestaaten. Darüber hinaus drohen ein Übergreifen der rohstoffinduzierten Schuldenkrise auf die übrigen Anleihenmärkte weltweit sowie eine globale Konsumentenschicht, die nach Auffassung von Newton durch Jahre steigender Asset-Preise und niedriger Hypothekenrückzahlungen allzu selbstgefällig geworden ist.

Deshalb bieten Mega Caps mit einer geringen Ausrichtung auf die Rohstoffmärkte, die gleichzeitig unkomplizierte Geschäftsmodelle aufweisen, nach Ansicht des Vermögensverwalters unter diesen Bedingungen die besten Anlagechancen.

US-Präsidentschaftswahl

Anleger, die nach einer differenzierten Allokation in Mega Caps Ausschau halten, könnten zwar ein Engagement im britischen Gesundheitssektor in Betracht ziehen, doch auch in dieser Branche werden die Erträge im nächsten Jahr wahrscheinlich durch externe Faktoren beeinflusst werden. In Mitleidenschaft gezogen werden könnte dieses Segment laut Stephen Rowntree, Gesundheitsanalyst bei Newton, durch die US-Präsidentschaftswahl sowie die Aussichten auf eine weitere Debatte über die Preisgestaltung bei Arzneimitteln im US-Wahlkampf. Diese Faktoren könnten die Anleger bezüglich der Wachstumsaussichten in diesem Sektor seiner Meinung nach nervös machen.

Für die Performance britischer Pharma-Mega Caps im Jahr 2016 wird eine klare Umsetzung ihrer avisierten strategischen Unternehmensziele aber genauso wichtig sein. Laut Rowntree hat das bei GlaxoSmithKline (GSK) beispielsweise die Integration sowie die Entwicklung kürzlich übernommener Firmen zur Folge, während es sich bei AstraZeneca (AZN) um nachweisliche Fortschritte bei der Erforschung und Entwicklung neuer Medikament dreht. „Beide Firmen sollten aber dafür belohnt werden, wenn sie diese Ziele erreichen“, so Rowntree.

Werden britische Pharmaunternehmen angesichts der Wertschwankungen an den Märkten weltweit sowie der Unsicherheit, die Ende 2015 zu beobachten ist, jedoch wirklich wieder an Popularität gewinnen? Und falls dem so sein sollte: Welche Auswirkungen hat dies dann auf die Bewertungen dieser Titel? Laut Rowntree macht das Bewertungsniveau per Ende 2015 keinen ausgereizten Eindruck, während die Dividenden gleichzeitig sicher zu sein scheinen. „Die Tendenz marktbreiter britischer Pharmawerte sowie der Pharmabranche insgesamt ist durch die Besorgnisse der Anleger um einen möglichen Anstieg des Preisdrucks an dem so wichtigen US-Gesundheitsmarkt etwas belastet worden“, erklärt er. Er vertritt jedoch auch die Auffassung, dass sich verbessernde Fundamentaldaten sowie ein nachhaltiges Wachstum trotz eines für Aktien volatilen Umfelds zunehmend attraktive Anlagechancen eröffnen.

Die Frage des „Brexit“

Was aber ist mit dem anstehenden EU-Referendum? Welche Auswirkungen könnte dieses auf britische Gesundheitstitel haben? In diesem Zusammenhang weist Rowntree darauf hin, dass britische Pharma-Mega Caps von ihren Umsätzen in Europa nicht über die Maßen abhängig sind. Bei GSK und AZN beispielsweise repräsentieren diese lediglich rund 27% bzw. 25% des Gesamtumsatzes. Allerdings gelte dies nicht für einheimische Biotechnologiefirmen, so Rowntree. „Diese sind unter Umständen stärker auf die lokalen Märkte Europas ausgerichtet – je nachdem, um welches Unternehmen es sich handelt und in welchem Segment es tätig ist. Die meisten innovativen Biotech-Firmen konzentrieren sich aber nach wie vor auf den Bereich Forschung und Entwicklung und müssen deshalb noch keine Produkte verkaufen.“

Andere Branchen dürften im Hinblick auf ihre Geschäftstätigkeit in Europa allerdings nicht so viel Glück haben. Denn trotz der rückläufigen Aktivitäten, die angesichts der Schlagzeilen über einen möglichen „Brexit“ sowie die Ansetzung eines entsprechenden Referendums im Sommer 2015 vermeldet wurden, ist und bleibt der Kontinent letztlich der größte Handelspartner Großbritanniens.

Peter Hensman, globaler Stratege bei Newton, hält es für schwierig, eine klare Aussage zu den möglichen Konsequenzen zu treffen, falls sich Großbritannien wirklich für ein Verlassen der EU entscheiden sollte, zumal bisher noch gar nicht klar sei, welche Bereiche von einem solchen Ausscheiden überhaupt betroffen wären. Darüber hinaus werden die verfügbaren Daten sowie die dargelegten Argumente seiner Auffassung nach auch zur politischen Meinungsmache missbraucht, wodurch deren Bewertung noch zusätzlich erschwert wird.

Laut Hensman könnten die Auswirkungen eines „Brexit“ auf mittlere bis lange Sicht aber geringfügiger ausfallen als sowohl von den Befürwortern als auch von den Gegnern derzeit behauptet wird. Eine im Auftrag von Newton durchgeführte Umfrage unter Unternehmen, die durch einen „Brexit“ wahrscheinlich beeinträchtigt würden, deutet darauf hin, dass es nur für wenige Firmen in Frage käme, ihren Geschäftssitz zu verlagern, falls das Referendum zugunsten eines EU-Austritts ausgehen würde. „Nichtsdestotrotz hätte die Entscheidung für ein Ausscheiden kurzfristig vermutlich negative Folgen, weil Investitions- und Handelsentscheidungen wegen der unabsehbaren Konsequenzen dieses Schritts wahrscheinlich verschoben (und möglicherweise sogar vollständig ausgesetzt) werden würden“, führt Hensman aus.

Betroffene Bereiche

Hensman zufolge würde sich ein Austritt Großbritanniens aus der EU vor allem auf den Handel, die ausländischen Direktinvestitionen sowie die Migration von Arbeitskräften auswirken.

Was den Handel betrifft, so hält Hensman es für unwahrscheinlich, dass die Handelsströme auf mittlere bis lange Sicht erheblich belastet würden. Der Grund dafür ist die schiere Größe der Absatzmärkte, die sich britischen Unternehmen in der EU bieten, und umgekehrt. Allerdings lehren uns die Erfahrungen aus Norwegen und der Schweiz, dass die Schwierigkeiten bei der Ausarbeitung individueller bilateraler Vereinbarungen die Handelsaktivitäten in der Phase unmittelbar nach einem EU-Austritt Großbritanniens massiv beeinträchtigen könnten. „Die Schweiz hat mit der EU 120 separate Abkommen über gemeinsame Handelsaktivitäten und Einwanderungsfragen geschlossen. Und diese Volkswirtschaft ist wesentlich kleiner und auf Branchenebene nicht so breit diversifiziert wie die britische. Darüber hinaus belegen Untersuchungen des norwegischen sowie des schweizerischen Modells, dass die vergleichsweise schleppende Umsetzung von EU-Richtlinien sowie die geringere Verbreitung von Nicht-EU-Abkommen regelmäßig zusätzliche Kosten sowie Verzögerungen mit sich bringen. Und so etwas würde zwangsläufig auch auf Großbritannien zukommen, falls dieses Land nach einem EU-Ausscheiden neue Abkommen schließen müsste.“

Die Fähigkeit, externe bzw. ausländische Akteure zu animieren, in Großbritannien zu investieren oder britische Güter zu erwerben, könnte durch einen „Brexit“ ebenfalls in Mitleidenschaft gezogen werden. Allerdings haben sich die Warnungen vor den verheerenden Konsequenzen für die Kapitalinvestitionen, falls Großbritannien nicht dem Euro betreten sollte, bereits in der Vergangenheit als weit gefehlt erwiesen, merkt er an. „Die Mittelzuflüsse aus den Schwellenländern – sowie zuletzt auch aus Japan – nach Großbritannien zeigen, wie attraktiv Investments in Großbritannien sind. Die Sprache, die Rechtsstruktur und die gesetzlichen Rahmenbedingungen, die niedrige Steuerlast sowie der flexible Arbeitsmarkt sprechen allesamt für Großbritannien. Und daran wird wohl auch ein ‚Brexit‘ nichts ändern.“

Die von Newton befragten Unternehmen gaben an, dass sie im Falle eines Ausscheidens Großbritanniens aus der EU nicht damit rechnen, dass qualifizierte Arbeitskräfte aus dem Vereinigten Königreich abwandern würden. Dazu Hensman: „Unter ansonsten identischen Voraussetzungen dürften die Löhne dort bei einem konjunkturellen Aufschwung wohl schneller ansteigen, weil das Angebot an Arbeitskräften dann knapper werden könnte. Dies wiederum könnte die Gewinnmargen der Unternehmen – allen voran jener Firmen, die eine große Zahl von Mitarbeitern beschäftigen – unter Druck setzen. Auf mittlere Sicht wird dieser Effekt aber wahrscheinlich wieder ausgeglichen werden, weil die Unternehmen angesichts niedrigerer Gewinnmargen bestrebt sein werden, ihre Produktivität zu steigern.“

WORAUF MAN ACHTEN SOLLTE

  • Eigentlich rechnet man damit, dass das Referendum über einen möglichen Ausstieg Großbritanniens aus der EU bis zum Jahresende 2017 durchgeführt werden wird. Allerdings gibt es Berichte, wonach das Referendum bereits im Mai 2016 stattfinden könnte.
  • Die im November anstehende US-Präsidentschaftswahl könnte die Märkte beeinflussen.
  • Die Strategie der Bank of England sowie der Zeitpunkt und das Tempo von Zinsanhebungen in Großbritannien könnten die Volatilität erhöhen.
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