Opportunistische Anlagestrategien und ihre Implementierung (Archiv )

Opportunistische Anlagestrategien und ihre Implementierung

Aber nicht nur höhere Zinsen zwingen zum ernsthaften Überdenken traditioneller Anleihenstrategien.  Von der neuen Bankenregulierung über alternde Bevölkerungen bis hin zu wachsenden Märkten außerhalb der USA ändert alles die uns einst so vertraute Anleihenlandschaft fundamental. Diverse Vermögensverwalter raten Anleihenanlegern daher seit einiger Zeit nicht von ungefähr, aus  traditionellen indexorientierten Strategien in flexiblere, opportunistischere Anleihenansätze umzusteigen, die in allen Marktphasen einen positiven Ertrag zu generieren versuchen. Diese Strategien bringen bessere Voraussetzungen mit, um in einem deutlich größeren globalen Anleihen- und Kredituniversum Erträge zu generieren, und ihnen stehen mehr Instrumente zur Verfügung, um schnell zwischen einzelnen Sektoren umzuschichten, sobald sich die Chancen und Risiken ändern.

Mit dem steigenden Interesse an opportunistischen Anleiheninvestments halten wir es aber auch für wichtig, dass Anleger die Funktionsweise dieser Strategien genau verstehen, damit sie nicht letztendlich nur ein Risiko gegen ein anderes austauschen. Die genannten Ansätze kommen in vielerlei Gestalt und Größe daher und arbeiten unterschiedlich. Und mache Strategie, die in den vergangenen fünf Jahren bei hohen Renditedifferenzen und sprudelnder Marktliquidität gute Ergebnisse erzielt hat, könnte jetzt im Zuge engerer Spreads, knapperer Liquidität, begrenzter Bestände und höherer Volatilität vor größeren Herausforderungen stehen.

Implementierung als Erfolgsfaktor: Wertpapierauswahl wird im neuen Marktumfeld wichtiger

Opportunistische Anlagestrategien und ihre Implementierung

Die nachfolgende Abbildung zeigt, dass der durchschnittliche Ertrag im indexunabhängigen Universum in den letzten drei Jahren extrem hoch mit den High Yield-Spreads korreliert war.

Entsprechend konnten in jüngster Zeit viele opportunistische Ansätze durch relativ simple Sektorauswahl in riskanteren Segmenten des Anleihenuniversums wie etwa High Yield positive Erträge generieren.

Künftig sorgen mindestens fünf große Problemfelder dafür, dass ein derart undifferenzierter Sektorauswahlansatz an Effektivität verlieren könnte:

  • Bis Ende 2014 sollte die US-Notenbank (Fed) ihre quantitative Lockerung vollständig eingestellt haben, wodurch die Liquidität im Markt sinkt und die Zinsen potentiell steigen
  • Die sukzessive Rückführung der bisher beispiellosen Fed-Liquidität erhöht wahrscheinlich die Marktvolatilität
  • In vielen Anleihensektoren sind die Spreads mittlerweile deutlich gesunken
  • Wenn die Basel III-Vorschriften für Banken und die Volcker Rule erst einmal greifen, könnten deutlich niedrigere Lagerbestände der Handelshäuser die Liquidität am Retail-Anleihenmarkt beeinträchtigen
  • Der Abschied der Babyboom-Generation vom Arbeitsmarkt erhöht wahrscheinlich den Wettbewerb um knappe Vermögenswerte im Zinssegment

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In diesem von Unsicherheit geprägten Umfeld wird die Einzeltitelauswahl vermutlich sogar noch wichtiger als die intelligente Umschichtung zwischen einzelnen Sektoren. Daher halten wir es für äußerst wichtig, dass Anleger in den nächsten Jahren exakt verstehen, inwiefern ein Manager Chancen auf Einzeltitelebene wahrnehmen kann und welche Faktoren diese Fähigkeit womöglich beeinträchtigen.

Volumen als Erfolgsfaktor: Transaktionen in Kassa-Anleihen

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Strategien mit sehr hohen Anlagevolumina könnten wegen ihrer Größe eher Probleme haben, in abgelegeneren Bereichen einiger Sektoren und Regionen auf Einzeltitelebene Chancen wahrzunehmen.  Das führt besonders in Anlageklassen wie z.B. High Yield oder Subprime Asset Backed zu einem erheblichen Manko.  Eine Neuemission im High Yield-Markt etwa hat unter Umständen nur ein Volumen von USD 300-500 Millionen, und ein Manager kann vielleicht nur USD 20-50 Millionen hiervon kaufen. Wie die folgende Tabelle zeigt, fällt es Strategien mit geringeren Anlagevolumina gegebenenfalls leichter, sinnvolle alphaorientierte Engagements einzugehen als ihren größeren Pendants.

Das Fondsvolumen bestimmt auch, wie Manager an den globalen Anleihen- und Kreditmärkten agieren können. Ist eine bestimmte Größe überschritten, wird es schwierig, in den Märkten für Kassa-Anleihen zu handeln. Größere Manager sind unter Umständen gezwungen, Engagements in bestimmten Marktsegmenten über Derivate abzubilden und entsprechend zusätzliche Kontrahenten- und Liquiditätsrisiken einzugehen, die gemanagt werden müssen. Derivate sind ohne Zweifel nützlich, um Zinsänderungen und andere wichtige Portfoliorisiken zu managen. Allerdings sollten Anleger unseres Erachtens genau darüber informiert sein, 1) welchen Anteil Derivate am Portfolio stellen und 2) ob die Manager Derivate zum Risikomanagement einsetzen oder damit Erträge generieren wollen, denn die beiden Ansätze haben unterschiedliche Auswirkungen darauf, wie ein Portfolio gemanagt wird. Ein Vergleich der Positionen unterschiedlicher opportunistischer Anleihenstrategien zeigt deutliche Unterschiede zwischen denjenigen Managern, die lediglich in Kassa-Anleihen investieren und relativ kleine Derivatepositionen halten, und anderen Managern, die deutlich stärker auf Derivate wie Futures, Swaps und Credit Default Swaps setzen und weniger als 50% ihrer Portfolien in Kassa-Anleihen halten.1

Erfolgsfaktor Transparenz: Verstehen, wie Derivate in Portfolien eingesetzt werden

Eine aktuelle Umfrage unter fast 80 sehr vermögenden Anlegern in den USA zeigt, dass sich mehr als die Hälfte von ihnen überhaupt nicht mit Derivaten auskennt.2 Da heute mehr Anleger darüber nachdenken, opportunistischen Anlagestrategien in ihren Portfolien einen wichtigen Platz einzuräumen, sollten sie unseres Erachtens nicht nur verstehen, in was ihre Manager investieren, sondern auch wie sie diese Engagements aufbauen. Anleger in Strategien, die stark auf Derivate setzen, müssen mehr darüber lernen, welche Rolle Derivate im Portfolio spielen und wie die damit potentiell verbundenen Zusatzrisiken in einem Portfolio gemanagt werden.

Das Umfeld für Zinsinstrumente ändert sich, und wir halten opportunistische Zinsstrategien ohne Indexzwänge für die heutigen Märkte besser geeignet als traditionelle, stark durationsorientierte Standardprodukte. Allerdings kommen diese Strategien in vielerlei Gestalt und Größe daher, so dass Anleger unseres Erachtens gut beraten sind, erst einmal sorgfältig zu recherchieren, in was sie jeweils investieren und wie genau sie dies in der neuen Zinslandschaft tun.

1. Standish-Analyse auf Grundlage von Morningstar-Daten, Stand 31. März 2014.
2. High Net Worth Investment Pulse-Umfrage, durchgeführt durch Capital Position Ventures, März 2014

Dies stellt keine Anlageberatung dar. Aufsichtsrechtliche Hinweise

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